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Smarte Tools für das „regulatorische Asset Management“
08.03.10
(erschienen in ENERGIEWIRTSCHAFTLICHE TAGESFRAGEN 60. Jg. (2010) Heft 1/2)
Seit Anfang 2009 ist die Anreizregulierungsverordnung (ARegV) inklusive der Beschränkung möglicher Netznutzungserlöse in Kraft. Netzbetreiber müssen daher finanzielle Mittel zielgenau einsetzen, um eine kontinuierliche Effizienzsteigerung und eine langfristige Investitionsfähigkeit sowie Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Herausforderung besteht darin, zu identifizieren, wo welche Optimierungspotenziale schlummern. Ein vielversprechender Ansatz ist die integrierte Betrachtung von Regulierungs- und Asset Management. Dazu ist eine IT-Lösung erforderlich, die eine integrierte Simulation der Erlösobergrenze sowie weiterer wertorientierter Unternehmenskennzahlen in Kombination mit einem strategischen Asset Management ermöglicht und damit eine verlässliche Grundlage für die Entscheidungsprozesse schafft.
Inhalte des Artikels
- Einführung
- „Regulatorisches Asset Management“ ist gefragt
- Flexibilität ist Trumpf
- Umfassende Entscheidungsgrundlage
Einführung
Voraussetzungen, um auch künftig den steigenden Anforderungen des Marktes, der Bundesnetzagentur (BNetzA) und den Renditeerwartungen der Anteilseigner gerecht zu werden, sind clevere Investitions- und Instandhaltungsentscheidungen. Die intelligente Steuerung des Netzgeschäfts erfordert das Handling einer regelrechten Datenflut, deren Umfang durch die Anreizregulierung sowie Wechselwirkungen zwischen Regulierungs- und Asset Management noch deutlich angewachsen ist. Die Datenanalyse und -verwaltung mit üblichen Tabellenkalkulationsprogrammen erweist sich aufgrund der großen Anzahl an Parametern, Berechnungsvorschriften und komplexer Wechselwirkungen als nicht geeignet. Hinzu kommen Gegenüberstellungen verschiedener Simulationsszenarien, die ein übersichtliches Variantenmanagement voraussetzen.
„Regulatorisches Asset Management“ ist gefragt
Gefordert ist also eine performante Software, mit der der Netzmanager unterschiedliche Sichtweisen auf die Simulationsergebnisse abbilden und eine effiziente Bewertung verschiedener Simulationsszenarien vornehmen kann. Letztere bilden die Grundlage der „richtigen“ Netzentscheidung im Rahmen eines integrierten Regulierungs- und Asset Managements. Aufgrund der engen Verzahnung beider Komponenten werden solche IT-Lösungen auch „Regulatorisches Asset Management“ genannt.
Bei Samco Networks, einem Spezialisten für solche Anwendungen aus Paderborn, kommen dazu zwei Module – Modul OSAM (Lösung für strategisches Asset Management) und Modul REG (Lösung für strategisches Regulierungsmanagement) – in ihrer Simulationsplattform zum kombinierten Einsatz. Durch diesen integrativen Ansatz und die Kopplung der Simulationsmodule gelingt es Samco Networks, die Auswirkungen der Asset Strategien auf den Erföspfad vor dem Hintergrund regulatorischer Auswirkungen in einem einheitlichen Ansatz zu simulieren.
Das strategische Asset Management ermöglicht auf Basis des speziellen Alterungsverhaltens einzelner Betriebsmittelgruppen die Simulation der Entwicklung betriebswirtschaftlicher Auswirkungen verschiedener Maßnahmenstrategien. Abb. 1 zeigt exemplarisch die Gegenüberstellung von Capex- und Opex-Entwicklungen durch die Veränderung der Ersatzrate für eine Kabel-Gruppe. Diese Simulationen unterstützen den Prozess der strategischen langfristigen Maßnahmen- und Investitionsplanung, decken aber aufgrund ihrer technischen Basis nicht alle Aspekte der kaufmännischen Netzsteuerung ab.
Durch die Anreizregulierungsverordnung sind bisherige Strategien und Lösungsansätze neu zu überdenken, so dass das Instandhaltungs- und Investitionsverhalten der Netzbetreiber vor diesem Hintergrund überprüft werden müssen. Die Überführung von Simulationsergebnissen aus dem Asset in das Regulierungsmanagement erlaubt die Analyse betriebswirtschaftlicher Auswirkungen von Asset-Entscheidungen. Abb. 2 zeigt die Auswirkungen auf Erlösobergrenze und EBIT, die durch die Maßnahmenvarianten im Asset Management hervorgerufen werden.
Das Zusammenspiel von Asset- und Regulierungsmanagement wird in der Verfolgung der Wirkungskette zur Berechnung der Erlösobergrenze deutlich. Aus den Investitionen im Asset Management werden die kalkulatorischen Abschreibungen für die Netzkosten abgeleitet, die als Basis zur Berechnung der Erlösobergrenze dienen (Abb. 3).
Damit die Lösung präzise auf die Bedürfnisse von Netzbetreibern zugeschnitten werden konnte, haben sich die Experten der Samco Networks zunächst in die Lage des Netzmanagers versetzt. Mit dem OSAM bzw. REG-Modul wurden dann die entsprechenden Tools für den Aufgabenbereich entwickelt. Dabei standen u. a. folgende Fragen im Fokus:
- Welche Auswirkungen haben konkrete Investitionseinsparungen in den Instandhaltungs- und Wartungsstrategien auf den Erlöspfad des Netzgeschäfts?
- Wie wirken sich verschiedene Aktivierungsstrategien auf den CAPEX und darüber auf die Erlösübergrenze aus?
- Ist die aktuelle Investitionsbudgetierung vor dem Hintergrund der Anreizregulierung sinnvoll?
Flexibilität ist Trumpf
Das Simulationsmodell im Regulierungsmanagement (REG) orientiert sich an den Datenerhebungsbögen der Bundesnetzagentur und setzt damit auf bereits vorhandene Datenbestände auf. Im Asset Management (OSAM) werden technische und kaufmännische Maßnahmen- und Betriebsmittelgruppenparameter benötigt. Dabei bietet das Simulationsmodell die flexible Anpassung und Erweiterung von Eingabegrößen und Berechnungsvorschriften, eine verständliche Verfolgung von Parametern auf Basis sprechender Parameternamen (keine kryptische Programmierung) und die Gegenüberstellung verschiedener Varianten innerhalb des Systems.
Besonderer Wert wurde auf die Möglichkeit für den Anwender gelegt, die Simulationsmodelle und Formeln eigenständig anpassen zu können. Dies ist für viele Netzbetreiber ein entscheidender Faktor, denn so können sie völlig autark agieren und den kostspieligen Support des Lösungsanbieters einsparen.
Umfassende Entscheidungsgrundlage
Die Simulation verschiedenster unternehmerischer Kennzahlen sorgt bei den Netzbetreibern für eine profunde Grundlage, um die optimale Netzentscheidung treffen zu können. Sie sind so in der Lage, auf neue Verordnungen und deren Veränderungen durch die intelligente Auswertung der Simulation von Regulierungs- und Unternehmenskennzahlen effizient zu reagieren. Entscheider können unterschiedliche Szenarien zu Maßnahmenplanungen und Investitionsstrategien im Asset Management durchspielen und die Auswirkungen auf Erlösobergrenze, Gewinn- und Verlustrechnung sowie weitere Unternehmenskennzahlen gegenüberstellen sowie vergleichen. Damit ist eine wichtige Voraussetzung gegeben, um eine kontinuierliche Effizienzsteigerung einerseits und die Gewährleistung einer langfristigen Investitionsfähigkeit und Versorgungssicherheit andererseits unter einen Hut zu bringen.

