Aktuelles
Maximale Kennzahlentransparenz
22.03.10
(erschienen in BWK Bd. 62 (2010) Nr. 3)
Bei der Kommunalen Netzgesellschaft Südwest mbH (KNS) steht die strategische Unternehmenssteuerung im regulierten Umfeld hoch oben auf der Tagesordnung. Die Verantwortlichen stehen vor der Herausforderung, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens unter Berücksichtigung der Anreizregulierungsverordnung voranzutreiben. Der Spagat zwischen Effizienzsteigerung, langfristiger Investitionsfähigkeit und Versorgungssicherheit gelingt KNS mit Unterstützung von Simulationssoftware der Samco Networks GmbH.
Inhalte des Artikels
- Einführung
- Äußerst anspruchsvolle Planungsaufgabe
- Profi-Tools ersetzen überforderte Excel-Lösung
- Modulkopplung ermöglicht regulatorisches Asset-Management
Einführung
Die KNS wurde 2006 mit Sitz in Ludwigshafen gegründet. Die Kooperationsnetzgesellschaft verwaltet für sieben regionale Versorgungsunternehmen insgesamt elf Netze in den Sparten Strom und Gas, aber auch die Netze der nicht regulierten Sparten. Als schlankes Dienstleistungsunternehmen verantwortet sie den Regulierungsprozess, kalkuliert die Netznutzungsentgelte und übernimmt unter anderem die strategische Netzplanung und das Asset-Management für die betreuten Netze.
Um unter den Bedingungen der Anreizregulierungsverordnung weiterhin positive Bilanzen erzielen zu können, besteht die Aufgabe des strategischen Regulierungsmanagements in der Entwicklung von Strategien auf Basis zuverlässiger Prognosen für die Erlösobergrenze und deren Wirkung auf andere Unternehmenskennzahlen, wie Jahresüberschuss, Ebit, Cash-Flow usw. Die wesentlichen Herausforderungen liegen vor allem in der hohen Komplexität bei der Szenariensteuerung sowie der transparenten Abbildung von Berechnungsformeln, Wechselwirkungen und Parameterzusammenhängen.
Äußerst anspruchsvolle Planungsaufgabe
Bei der KNS ergibt sich aus den elf betreuten Netzen und den damit verbundenen zahlreichen Parametern eine äußerst anspruchsvolle Planungsaufgabe. Die Erfahrungen der KNS mit eigenen
Excel-basierten Berechnungsbögen zeigten schnell die Grenzen dieses Ansatzes auf. Im Samco-Modul REG für das strategische Regulierungsmanagement wurde eine Struktur zur Darstellung der betreuten Gesellschafter, deren Pacht- und Konzessionsgebiete sowie der regulierten
und nicht regulierten Sparten aufgebaut.
Für die KNS bedeutet das konkret: Mit der Software aus Paderborn können die Verantwortlichen jetzt neben einem professionellen Netzmanagement aller Netze auch eine fundierte Bewertung von Konzessions- und Pachtgebieten, zum Beispiel über die Bestimmung des Netzertragswertes mit Hilfe der Discounted-Cash-Flow-Methode, vornehmen und so konzessionsgebietsspezifische Entscheidungen unterstützen.
Profi-Tools ersetzen überforderte Excel-Lösung
Viele Parameter, komplexe Wechselwirkungen und der Vergleich unterschiedlicher Simulationsszenarien erfordern den Einsatz von Profi-Tools. Mit der neuen Software zielte die KNS darauf ab, ein einheitliches System zum Regulierungsmanagement für ihre sieben Gesellschafter und deren Netze einzuführen, um Transparenz gegenüber ihren Anteilseignern zu schaffen. Die Zielsetzung umfasste:
- die Ablösung von unübersichtlichen Excel-Entwicklungssheets durch eine transparente Lösung zur Prognose der Kennzahlen zur Erlös- und Kostensituation;
- die eigenständige Abbildung aller regulierungsrelevanten Informationen sowie die transparente und nachvollziehbare Simulation und Analyse von Wirkungsketten und Investitionsvarianten durch die Mitarbeiter der KNS;
- die übersichtliche Erstellung und Verwaltung von Varianten zur Entwicklung von Strategien für eine optimierte Erlösobergrenze.
Im Projekt zur Einführung der Software wurden nach Erhebung und Übernahme der Daten aus BAB, GuV und Bilanz individuelle Anforderungen der KNS im Simulationsmodell implementiert. Im Anschluss an den Systemaufbau erfolgte die Umsetzung von Simulationsszenarien, wie beispielsweise Genehmigungsvarianten der Capex- und Opex-Kosten (z.B. Personalkosten) und Variation der Kosten für den technischen Dienstleistungsvertrag oder Verlustenergie.
Modulkopplung ermöglicht regulatorisches Asset-Management
Im Asset-Management verlangen Entscheidungen über Investitions- (Capex) und Instandhaltungsmaßnahmen (Opex) nach einer regulatorischen Bewertung. Veränderte Maßnahmenstrategien für Betriebsmittel, die Capex- und Opex-Zeitreihen beeinflussen und bestimmen die Höhe der Erlösobergrenze und der Änderung der Ebit-Barwerte. Die Samco-Simulationsplattform ermöglicht durch eine Kombination der Module REG (Regulierungsmanagement) und Osam (Operatives und Strategisches Asset-Management) die integrierte simulatorische Betrachtung dieser Beziehungen. Diese Kopplung ist aufgrund der engen Verkettung beider Komponenten – man spricht auch von einem regulatorischen Asset-Management – ein notwendiger Schritt zur Maßnahmensteuerung ohne „Blindflug“. Durch diese integrative Herangehensweise ist Samco Networks in der Lage, die Auswirkungen der Asset-Strategien auf den Erlöspfad in einem integrierten System zu analysieren.
Fazit: Variation und Simulation der Unternehmenskennzahlen liefern der KNS die Basis, optimale Netzentscheidungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und Profitabilität treffen zu können. Um von den Vorteilen eines ganzheitlichen Ansatzes im Sinne eines integrativen „regulatorischen Asset-Managements“ zu profitieren, strebt die KNS an, die erfolgreich in Betrieb genommene Lösung im Regulierungsmanagement um das Samco-Modul Osam zum strategischen Asset-Management zu erweitern.

